Nach Ölboom: Moderne Sklaverei in Dubai

Bei meinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten habe ich alle Facetten Dubais gesehen – einerseits den Prunk und den verschwenderischen Luxus-Lebensstil, andererseits die Ausbeutung der armen Gastarbeiter.


Ich flog am Montag, dem 16. Februar los in Richtung der UAE. Als ich ankam, war es 11 Uhr abends und ich wurde vom Flughafen abgeholt. Gleich als ich das Eingangstor des Flughafens verließ, trat mir eine stickige und von Abgasen gezeichnete Luft entgegen –an dies sollte ich mich im weiteren Verlauf noch gewöhnen.
Der Autoverkehr in Dubai ist die tragende Säule. Die Stadt würde ohne Autos nicht funktionieren. Es gibt zwar eine Metro-Linie in der Stadt, diese ist aber mehr als dürftig.

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90% der Einwohner Dubais sind Ausländer, reiche Geschäftsmänner oder Gastarbeiter. Diejenigen 10%, die wirklich Staatsangehörige der UAE sind, besitzen SUVs oder Limousinen und würden nicht mal im Traum daran denken, in die Metro zu steigen.
Das #1 Fortbewegungsmittel als Tourist ist das Taxi. Es ist sehr günstig und wird ausschließlich von Gastarbeitern aus den krisengeschüttelten Nachbarländern Pakistan, Afghanistan, Indien oder Iran gefahren. Hier hatte ich Gelegenheit, das Arbeitssystem der Stadt kennenzulernen indem ich mit den Taxifahrern sprach. Dubai ohne die große Anzahl von Gastarbeitern ist nicht vorstellbar. Sie fahren Taxis, tanken die SUVs der Scheiche, stehen hinter Hotelbars, halten reichen Touristen am Hoteleingang die Türe auf, sitzen an der Kassa beim Supermarkt oder reichen Touristen auf der Toilette ein Stoffhandtuch. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie verhalten sich unterwürfig und kleinlaut, reden die reichen Leute immer mit der formalen Anrede Chef oder Sir an.

Diese Arbeiter sind ausschließlich nur zum Arbeiten in der Stadt. Die Regierung hat null Interesse, die Arbeitsbedingungen zu verbessern – Dubai ist eben kein Sozialstaat. Vergnügung steht ihnen ebenso nicht zu. Es kam vor, das fein gekleidete Pakistaner die Bar eines Hotels betreten wollten und trotzdem verwiesen wurden, da sie offensichtlich der Arbeiterschicht angehörten.

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Es gibt genau 2 Extreme – die Stadt ist entweder zum Vergnügen konsumfreudiger Leute da, oder zum exzessiven Arbeiten.
Gespräch mit einem Taxifahrer
Ein pakistanischer Taxifahrer erzählte mir, das er täglich 12-14 Std. arbeitet – und das 7 Tage die Woche, freie Tage gibt es nicht. Eine halbe bis max. eine Stunde gibt es Mittagspause. Jeden Tag steht er um 4 Uhr auf, arbeitet von 5 Uhr früh bis 5 Uhr Abends. Freie Tage oder Urlaube werden vom Arbeitgeber nicht gestattet. In Konversationen mit ihnen haben sie immer über Müdigkeit, Kopf-und Rückenschmerzen geklagt. Mit dem hart erarbeiteten Monatslohn von 500 $ möchten sie ihre Familien in den Heimatländern unterstützen. Jeder der Taxifahrer mit dem ich geredet habe, hatte Frau und Kinder.
Über eines waren sie jedoch alle froh: Das sie nicht im Construction-Sector arbeiteten. Im Normalfall hat es eine extremes Wüstenklima in der Stadt, das den Arbeitern zu schaffen macht. Sie müssen kiloschwere Blöcke bei 40-50 Grad tragen. Hier blieb mir ein Satz eines kritischen Artikels besonders im Kopf: They sweat like sponges being slowly wrung out. Die meisten können gar nicht mehr urinieren, weil sie die gesamte Körperflüssigkeit aus der Haut ausscheiden. Busse, die aus kostensparenden Gründen keine Klimaanlage installiert haben, bringen die Arbeiter vom Arbeitercamp zur Baustelle.

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Von Sandstürmen und Luxustourismus

Ich hatte das Glück, im Februar 3 milde und teilweise sogar regnerische Tage zu erleben. (Hier gibt es im Jahr ca. 7 Regentage.) Eine weitere Herausforderung kommt jedoch noch hinzu: Die Sandstürme. Diese sind in Wüstengebieten keine Seltenheit. Man konnte nicht einmal auf den Balkon des Hotels gehen, da dieser mit einer Schicht Sand und Staub bedeckt war und man sofort gereizte und juckende Augen bekam.
Auch der Tag an dem wir unser Burj Khalifa-Ticket gebucht hatten, war von Sandstürmen gezeichnet.

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Dubai wirkt wie eine begehbare Machbarkeitsstudie in Sachen Luxustourismus, zugeschnitten auf die western society. Trotzdem möchten die Emiratis die Traditionen des Landes nicht über Bord werfen. Überall im öffentlichen Raum Dubais – sei es in den riesigen Einkaufsmalls, auf dem Dubai International Airport oder am öffentlichen Strand ertönen durch Lautsprecher in regelmäßigen Abständen Chorgesänge und gesungene Zitate aus dem heiligen Koran, die die Gläubigen zu einer Pause des Betens aufrufen.

Dubai wird von vielen Menschen, die hier Urlaub machen, als die schönste Stadt der Welt gepriesen. Was sie allerdings nicht wissen (oder wissen wollen) ist das nur die extra für Touristen angelegten Attraktionen und Plätze den Luxuscharme und den High-society-lifestyle versprühen.

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Es genügt schon eine 30-minütige Autofahrt aus der Stadt heraus in das nächstgelegene Emirat, al Sharjah. Hier findet man ein von Arbeitern geprägtes Stadtbild auf, welches absolut nichts mit dem Luxus Dubais gemeinsam hat. Hier findet man große Industriehallen der Stahlproduktion und unzählige Müllhalden vollgeräumt mit Autoteilen und Reifen. Gastarbeiter auf alten Rädern schlängeln sich auf den Hauptstraßen durch die Staus.

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Die 2 Gesichter
Die Stadt birgt wahrlich 2 Gesichter: Dubai bei Tag und Dubai bei Nacht.
Am Tag wird erst ersichtlich, was für eine riesige Baustelle die Stadt eigentlich ist. Teilweise ist sie schmutzig und wirkt unwirtlich. Erst in der Nacht entsteht der Flair der Stadt, von dem Viele Touristen so schwärmen – hier kann man Downtown die riesigen Wasserfontänen bewundern und sich von den vielen Lichtern der Stadt beeindrucken lassen. Vor allem das Wahrzeichen der Stadt sieht wirklich imposant aus.

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Als Fazit sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden oder die Stadt selbst bereisen. Ich würde keinem den Besuch der Stadt abraten, da sie viel zu bieten hat und absolut gigantisch ist. Jedoch sollte man sich bewusst sein, das die Stadt erst durch das Blut und den Schweiß der Arbeiterschicht und der ausbeuterischen Methoden der Scheiche großgeworden ist.

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